„Das Nonprofit Paradox“

Posted on 12. August 2010

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David La Piana schreibt in der Stanford Social Innovation Review (SSIR) über eine Beobachtung in Non Profit Organisationen, welche er als Paradox beschreibt: „Warum Organisationen so häufig von denselben Übeln geplagt werden, die sie zu kurieren suchen„. Weiter schreibt er:

Nonprofits tend to recreate 
within their own organizational cultures 
the problems they are trying to solve in society.
I call this phenomenon the nonprofit paradox.

Wie erklärt sich das Phänomen?

  1. Die Organisations-Mitglieder in NPOs sind immer (im normativen Sinne) Missions-getrieben/ Getriebene des selbst gewählten Auftrages. Diese sind zunächst blind für die dysfunktionalen Anteile ihres eigenen Verhaltens. Immer bezogen darauf, dass jedwede Organisationskultur immer auch Anteile desjenigen Verhaltens generiert, welches sie ‚in der Gesellschaft‘ (in ’systemisch‘ gesprochen: ihrer Umwelt) aktiv ‚bearbeitet‘. (So wird man etwa in Einrichtungen der Behindertenhilfe ‚blind‘ für ‚behinderndes Verhalten‘.)
  2. Durch die Arbeit an ‚der gerechten Sache‘ fühlen sich dann NPO-Mitglieder (paradoxerweise) berechtigt, an ihr eigenes Verhalten weniger hohe moralische Maßstäbe anzulegen. Benoît Monin erforschte dies.
  3. Ein dritter Faktor wird als ‚paralleles Prozessieren‘ beschrieben. Bedingt durch enge persönliche Beziehungen findet ein ‚Gleichschalten‘ des kollektiven Organisationsverhaltens statt, so dass ähnliche Gedankenkonstrukte, Emotionen, Aktionen – mindsets – entstehen.
  4. Die letzte Hypothese wird auf Aristoteles zurück geführt: in Kurzform – jede Lichtgestalt hat auch Ihre Schattenseiten. Oder in der Allerwelts-Formel: ‚Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten.‘

Was dagegen tun?

  • Zunächst ist die Achtsamkeit gegenüber diesem (oft?) zu beobachtenden paradoxen Phänomen der Schlüssel für alles Weitere.
  • Humor, Offenheit und Toleranz, dass ‚es‘ einfach so ist, hilft dann die Effekte (stark) abzuschwächen.
  • Allein dem Phänomen einen Namen zu geben, hilft schon (, weil es dadurch ja überhaupt erst bearbeitbar wird).

Wie konkret geht man vor?

  1. Der erste Schritt, das Nonprofit-Paradox zu bearbeiten, besteht darin, zu prüfen, welches zentrale Anliegen bearbeitet wird.
    (So sorgen Krankenhäuser etwa für Gesundungen (≠ Heilung), ‚machen‘ also das dort arbeitende Personal womöglich ‚krank‘.)
  2. Weiter wäre zu fragen: Welche Strukturen und Prozesse sind denn im Alltag wirklich handlungsleitend?
  3. Und welche zugrunde liegende ‚Kultur‘ (um ein Bsp. zu nennen: Wettbewerb) lässt sich beschreiben?
  4. Finden dann humorvolle, direkte, nicht-anklagende und nicht-verteidigende Diskurse statt, …
  5. wandelt sich über die fokussierte Aufmerksamkeit ein dysfunktionales Muster in ein nützliches – die Veränderung/ der Wandel vollzieht sich im Vorübergehen.
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Posted in: Allgemein